Soft Ammunition, 2025, Serie von Cyanotypien auf Baumwolle und Polyester, je 55 x 40
Spitzenunterwäsche ist kein neutrales Kleidungsstück, sondern ein kulturelles Artefakt, durchzogen von Bedeutungen: Begehren, Disziplinierung, Intimität und Kontrolle. In dieser Werkreihe wird sie nicht getragen, sondern als Fotogramm sichtbar gemacht. Die Cyanotypien auf Leinwand zeigen das Negativ eines Slips, fixiert in einem Verfahren, das traditionell mit Archivierung, Wissenschaft und Objektivität verbunden ist. Die technische Präzision des Prozesses trifft auf die weiche Semantik des Textils.
Spitze steht an der Schnittstelle zwischen Verführung und Disziplinierung, zwischen normierter Weiblichkeit und performativem Empowerment. Sie trägt Spuren gesellschaftlicher Blickregime, ökonomisierter Sexualität und körperlicher Kontrolle und wird zugleich als Medium der Aneignung und Selbstinszenierung neu aufgeladen. Indem die Leinwände „bekleidet“ werden, kippt die Intimität ins Öffentliche. Das Private wird politisch, das Zarte widerständig. Die Arbeit verhandelt Sichtbarkeit, Körperabwesenheit und die Rhetorik des Begehrens. Was bleibt, ist eine fotografische Spur von abwesender Nähe.