STATUS QUO, 2025, Cyanotypie auf baumwolle, 210 x 195
Die Arbeit zeigt den Schattenwurf einer Leiter, die an die Außenfassade der Jesuitenkirche in Aschaffenburg gelehnt ist. Durch die Cyanotypie, ein historisches fotografisches Verfahren ohne Kamera, wird dieser flüchtige Moment dauerhaft sichtbar. Das Motiv der Leiter bezieht sich ganz konkret auf ein historisches Symbol: die sogenannte „unbewegliche Leiter“ an der Grabeskirche in Jerusalem. Sie steht seit mindestens 1757 auf einem Sims unterhalb eines Fensters an der Fassade der Kirche. Dieses Gebäude ist deshalb so besonders, da sich sich mehrere christliche Konfessionen das Nutzungsrecht teilen. Aufgrund der komplexen Besitzverhältnisse und der strikten Status-quo-Regelung darf die Leiter ohne Zustimmung aller beteiligten Religionen, die im Kirchengebäude praktizieren, nicht entfernt oder versetzt werden. So wurde aus einem ursprünglich alltäglichen Gegenstand ein Symbol für Stillstand, Blockade – und gleichzeitig für ein empfindliches Gleichgewicht, das durch gegenseitige Rücksichtnahme aufrechterhalten wird. In den letzten Jahrzehnten hat sich ihre Bedeutung gewandelt: Heute wird sie zunehmend als Sinnbild für interreligiöse Koexistenz und das Aushandeln gemeinsamer Wege verstanden.
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