Trace of Thought, 2025, Cyanotypie auf Leinwand, 170 x 130
Die Arbeit zeigt eine Cyanotypie auf Leinwand. Sichtbar sind gestische Spuren eines Pinsels, die durch gezielte Belichtung freigelegt wurden, allerdings nur partiell. Diese Spuren erscheinen fragmentarisch und wirken wie Überreste einer performativen Handlung. Innerhalb dieser Bewegungsspuren bildet sich das Fotogramm eines Tuchs ab, das während des Belichtungsprozesses in seiner temporären Form fixiert wurde. Es wirkt wie ein Schattenbild einer vergänglichen Geste und steht in formaler Nähe zu den Pinselspuren, mit denen es sich überlagert. Die Cyanotypie fungiert nicht als klassische Malerei im Sinne des Farbauftrags, sondern als Verfahren zur Sichtbarmachung von Bewegung, Handlung, Berührung und zeitlicher Abfolge.
Die verwendete Technik erlaubt es, physische Eingriffe und materielle Berührungen sichtbar zu machen. Licht, Stoff, Bewegung und Abwesenheit materialisieren sich in der Bildfläche und treten als gleichwertige Bestandteile des Bildes in Erscheinung. In der Überlagerung von Pinselspur und Tuchabdruck reflektiert die Arbeit den malerischen Akt als Spurensicherung, als dokumentarische Einschreibung körperlicher Präsenz und zeitlicher Prozesse. Die Malerei entsteht hier nicht als Darstellung, sondern als Folge und Abdruck eines Handelns.
Die Cyanotypie wird so zum Medium, das zeitliche Abläufe speichert und in eine lesbare Struktur übersetzt. Im Sinne eines erweiterten Malereibegriffs steht also nicht nur das fertige Bild im Vordergrund, sondern der Prozess seiner Entstehung. Die Arbeit macht sichtbar, wie sich Handlung in Oberfläche einschreibt und wie sich Geste, Materialität und Prozess gegenseitig bedingen.